Überblick
Die häufigsten Sicherheitslücken in vibe-gecodeten Anwendungen
Software aus Lovable, Bolt, Cursor, Replit oder Claude Code läuft oft auf Anhieb. Die Lücken darin sind erstaunlich gleichförmig: Es sind fast immer dieselben acht Stellen. Wer sie kennt, findet die meisten Probleme, bevor ein Fremder sie findet.
Warum KI immer dieselben Fehler macht
Ein KI-Werkzeug schreibt den Code, der Ihre Anfrage am schnellsten sichtbar erfüllt. Sicherheit ist selten Teil der Anfrage und nie sichtbar. Dazu kommt, dass die Werkzeuge aus denselben Vorlagen und Beispielen gelernt haben. Ein Muster, das in vielen Tutorials fehlt, fehlt deshalb auch in vielen generierten Anwendungen. Das ist die gute Nachricht: Die Fehler sind vorhersehbar.
1. Die offene Datenbank
Die häufigste und folgenreichste Lücke. Anwendungen mit Supabase oder Firebase sprechen die Datenbank direkt aus dem Browser an. Geschützt sind die Daten nur durch Regeln in der Datenbank, Row Level Security bei Supabase, Security Rules bei Firebase. Fehlen diese Regeln, kann jeder alle Daten lesen. 2025 wurde genau dieses Muster bei einer grösseren Zahl öffentlich erreichbarer Lovable-Apps nachgewiesen und als CVE-2025-48757 erfasst. Details im Artikel Datenbankrechte bei Supabase und Firebase.
2. Geheime Schlüssel im Browser-Code
Ein Schlüssel für OpenAI, Stripe oder einen Mail-Dienst landet im Frontend, weil die Anwendung ihn dort braucht, um den Dienst direkt aufzurufen. Jeder Besucher kann ihn auslesen und auf Ihre Rechnung nutzen. Mehr im Artikel API-Schlüssel im Frontend.
3. Prüfungen nur im Browser
Der Admin-Bereich wird nur angezeigt, wenn die Rolle „admin“ ist. Diese Prüfung passiert aber nur in der Oberfläche. Die Schnittstelle dahinter liefert die Daten an jeden, der direkt fragt. Alles, was im Browser geprüft wird, kann der Nutzer verändern. Rechte gehören auf den Server oder in die Datenbank.
4. Offene Endpunkte und Funktionen
Serverfunktionen, etwa Supabase Edge Functions oder API-Routen in Next.js, prüfen oft nicht, wer sie aufruft. Eine Funktion, die Mails verschickt oder einen KI-Dienst aufruft, lässt sich dann von aussen beliebig oft auslösen.
5. Ungeprüfte Eingaben
Eingaben werden ungeprüft gespeichert und später wieder angezeigt. Damit lässt sich Code in die Seite eines anderen Nutzers einschleusen. Oder sie werden in Datenbankabfragen eingebaut, ohne sie zu maskieren. Moderne Frameworks schützen gegen vieles, aber KI-Code umgeht diesen Schutz gelegentlich, um ein Darstellungsproblem schnell zu lösen.
6. Keine Grenzen
Keine Begrenzung der Anmeldeversuche, keine Obergrenze für Aufrufe kostenpflichtiger Dienste, keine Grössenbeschränkung für Uploads. Im Test fällt das nie auf. Im Betrieb kann ein einzelnes Skript Ihre Monatsrechnung vervielfachen.
7. Riskante Abhängigkeiten
KI-Werkzeuge installieren Bibliotheken nach Bedarf. Darunter sind veraltete Versionen mit bekannten Lücken und gelegentlich Paketnamen, die es gar nicht gibt oder die einem bekannten Paket nur ähneln. Angreifer registrieren solche Namen gezielt.
8. Fehlende Sicherung
Kein Backup oder eines, das nie zurückgespielt wurde. Bei KI-Werkzeugen besonders heikel, weil ein Prompt Tabellen umbauen oder Daten löschen kann.
Wie Sie diese Lücken finden
Die meisten lassen sich ohne Spezialwerkzeug prüfen: Rufen Sie Ihre Anwendung in einem privaten Fenster ohne Anmeldung auf und beobachten Sie in den Entwicklerwerkzeugen des Browsers, welche Daten geladen werden. Suchen Sie im geladenen Code nach Wörtern wie key, secret oder sk-. Prüfen Sie mit zwei Testkonten, ob eines die Daten des anderen sieht. Den vollständigen Ablauf finden Sie in der Checkliste vor dem Launch eines KI-gebauten Produkts.
Bevor Sie damit live gehen
Ihre Lösung läuft. Diese Punkte sollten Sie prüfen, bevor echte Daten daran hängen:
- Sind die Datenbankrechte für jede Tabelle gesetzt, nicht nur für die erste?
- Liegt irgendein geheimer Schlüssel im Code, den der Browser lädt?
- Werden Rechte auf dem Server geprüft oder nur in der Oberfläche?
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